Der Fingerhut

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Tief im Tal von Acherloo

Im Schattengarten finden sich im Sommer nur wenige Pflanzen von auffälliger Blütenpracht, es sei denn der Fingerhut gibt sich die Ehre. Schon aus der Ferne erkennt man die unverwechselbaren, hohen Blütenstände mit ihren sanften Farben.

Der Fingerhut „Digitalis“ gehört zur Familie der Wegerichgewächse. Der botanische Name leitet sich von dem lateinischen Wort „digitus“ , Finger, ab. Die etwa 25 zwei- und mehrjährigen Arten stammen aus Europa, Nordafrika und Westasien. Fingerhüte kann man ab dem Frühsommer aussäen. Es bildet sich eine Blattrosette, die im nächsten Frühjahr blüht. Schneidet man nach der Blüte die Pflanze zurück, stehen die Chancen gut, dass sie im nächsten Jahr wieder austreibt. Oder man lässt sie Samen bilden und hofft auf eine Selbstaussaat.

Der Fingerhut bildet einen etwa 50 cm großen Blätterbusch woraus sich von Mai bis Juli bis zu zwei Meter hohe Stängel erheben, an deren oberen Enden, dicht an dicht, unzählige glockenförmige Blüten sitzen, die an Fingerhüte erinnern. Die Farbpalette reicht von weiß, rosa, rot, purpur bis apricot und gelb. Im Innern der bis zu 6cm langen Blüten zeigen sich kleine Punkte. Alle Blütenkerzen sind nach einer Seite, zur Sonne ausgerichtet. Bienen und Hummeln fühlen sich magisch angezogen. Hier kann man auf Augenhöhe beobachten wie die fleißigen Nektar- und Pollensammler tief in die Blüten hinein kriechen und sie mit gelben Höschen wieder verlassen. Die Pflanzen wachsen gerne an halbschattigen, feuchten und humosen Stellen. In der Natur kann man auf Waldlichtungen große Ansammlungen von Fingerhüten finden. Sie siedeln sich gerne auf freien Flächen an, die durch Kahlschlag oder Orkanschäden entstanden sind. Alle Pflanzenteile sind sehr giftig, allerdings wird der Rote Fingerhut seit dem 18. Jahrhundert als Mittel gegen Herzschwäche verwendet.

In der Mythologie zählt der Fingerhut zu den Pflanzen des Elfenvolkes, er verneigt sich wenn ein spirituelles Wesen vorüber geht. Vor allem in britischen und irischen Legenden ist er zuhause. So sollen seine Blüten Feen und Elfen als Kopfbedeckung gedient haben oder Füchsen als Handschuhe um sich lautlos bewegen zu können. Nach einer christlichen Legende benutzte Maria eine Blüte als Verband für eine Wunde am Daumen des Christuskindes, die dadurch schneller abheilte. „Fingerhütchen“ ist ein irisches Elfenmärchen, übersetzt von den Brüdern Grimm: Ein Junge wird mit einem Buckel geboren, weil er einen Blütenzweig vom Fingerhut an seiner Mütze trägt, nennt man ihn Fingerhütchen. Am Ende der Geschichte wird er von Elfen von seinem Buckel befreit. Auf dieser Grundlage entstand ein Gedicht von Conrad Ferdinand Meyer, es beginnt mit den Worten:

Fingerhütchen

Liebe Kinder, wisst ihr wo

Fingerhut zu Hause?

Tief im Tal von Acherloo

Hat er Herd und Klause…

Text: Carola Diehl

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