Spaziergänge über die Rosenhöhe

Foto: Erlacher

Im Garten der blühenden Künste

Die Darmstädter Rosenhöhe ist ein großer Garten, in dem zu spazieren nicht nur körperlich guttut. Er ist auch Balsam für die Seele. Das wird deutlich bei der Lektüre von Hans-Willi Ohls Spaziergängen über die Rosenhöhe.

Ohl verweist auf den Schweizer Soziologen Lucius Burckhardt, der den Spaziergang sogar als Wissenschaft entwickelte und in „reflexiver Dimension“ von einer Promenadologie sprach. Ohl pflegt diese Wissenschaft mit mehreren Gängen, bei denen er dem Leser die naturverbundene Vielfalt ebenso wie den künstlerischen Wert vorstellt. Denn es begegnen uns vor allem die vielen bedeutenden Künstler in einer Anlage, die sich als Verlängerung der Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe versteht. Ohl weiß zu den Künstlern und ihren Werken viel Wissenswertes zu sagen.

In der dritten und erweiterten Auflage seines Bändchens wandelt der Autor zwischen Rosendom und Spanischem Turm, Löwentor und Teehäuschen ebenso fach- wie sachkundig durch die neue Künstlerkolonie, besucht Kunstwerke wie Thomas Duttenhoefers „flüchtigen Erdengast“, den Dichter Karl Krolow, oder Gotthelf Schlotters „auffliegenden Taubenschwarm“. Die Ausflüge in die vielseitige Botanik des Gartens und seine Rosenpracht machen deutlich, welch eine Fülle ungewöhnlicher, exotischer Pflanzen dem Spaziergänger begegnen, wenn er sie mit Hilfe des kundigen Führern überhaupt wahrnimmt.

Selbst eingefleischten Darmstädtern wird Hans-Willi Ohl mit seinen historischen Erläuterungen und Betrachtungen noch einiges an Fürstlichem zu bieten haben. Gelungen erscheint mir, wie er die nach Persönlichkeiten benannten Wege abschreitet und den von Ute Schäfer-Müller elektronisch verfremdeten Köpfen der einstigen Bewohner wie der Autorin Gabriele Wohmann, dem Journalisten Georg Hensel oder dem Schriftstellers Kasimir Edschmid Biografisches anfügt. Am Ende erfährt der Leser noch „Etwas über den Wert der Kunst“. Die unschätzbaren Erkenntnisse des Promenadologen erhellt Hans-Willi Ohl im Gespräch mit einem Baggerfahrer und einem Fotografen auf der Rosenhöhe.

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Hans-Willi Ohl: „Meine Spaziergänge über die Rosenhöhe“, 3. Erweiterte Auflage, mit einem Vorwort von Gerd Blecher, Vorsitzender des Fördervereins Park Rosenhöhe e.V., 96 Seiten. Das Buch kostet 10 Euro (+ Porto) und ist zu bestellen unter meissner-ohl@t-online.de. Das Geld geht als Spende an den Förderverein Park Rosenhöhe.

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